Um 7:30 Uhr soll es losgehen mit meinem Ausflug zum Soberania Nationalpark. Bevor wir aufbrechen suche ich mir etwas zu Essen und lerne eine andere, alltägliche Seite von Panama Stadt kennen: Panamá (so nennen die Panameños ihre Hauptstadt) wacht im sanften Morgenlicht allmählich auf, die Menschen fahren zur Arbeit oder erledigen ihre Einkäufe für den Tag.

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Soberania Nationalpark Mein Fahrer Christoph ist um 8:30 da – Verkehr und so – und wir fahren los. Ich bin heute die einzige Ausflüglerin und bekomme eine Exklusivtour. Hat was. Wir fahren vorbei an den Miraflores-Schleusen, entlang am Panamakanal und kommen nach gut 30 Minuten zum Ausgangspunkt. Der Nationalpark ist ein Stück Dschungel direkt an der Stadtgrenze. Erwandert wird heute der Sendero de Plantación – der Plantagenweg bzw. ein etwa 8 Kilometer langer Abschnitt davon.

Wir treffen eine Kolonie von etwa 20 gatos solos – Nasenbären. Sehr niedliche Zeitgenossen. Die Ureinwohner hier halten sie sich laut Christoph als Haustiere.

Die Affen scheuen sich derweil und wir treffen erst auf dem Rückweg auf sie. Weit oben in den Baumwipfeln entziehen sie sich meiner Handykamera. Achtung: Nicht direkt drunter stellen! Die leben nach dem Plumpsklo-Prinzip nur ohne Klo. Es gibt sogar eine Riesenliane, auf der ich wirklich schaukeln kann!!

Gatún-See

Wir fahren über eine eher abenteuerliche Brücke – sicherlich nicht TÜV-zertifiziert –

… weiter am Kanal entlang, auf dem die großen Tanker vor sich hin schippern. Am Gamboa Rainforest Resort, einem imposanten Hotel im amerikanischen Kolonialstil, haben wir von der Terrasse aus einen wunderbaren Ausblick auf den Gatún-See.

Der See entstand, als der Panama-Kanal gebaut wurde und ist Teil der Fahrroute der vielen Schiffe, die hier täglich durchfahren. Auf dem Heimweg nimmt mich Christoph mit zum Essen bzw. ich lade ihn ein, weil er mir eine Exklusivtour zum Gruppenpreis geboten hat. Wir gehen in ein typisch panamaisches Restaurant: Eine Art Cafeteria mit durchaus leckerem Essen. Endlich mal! Ich koste Yukka (wie Kartoffeln, nur besser), Reis und Salat mit einem leckeren Rindfleisch-Eintopf. Nommnomm.

Graffiti-Entdeckungstour

Nach einer kleinen Siesta, frau hat ja doch iwie Urlaub, ziehe ich los: In meiner neuen Nachbarschaft gibt es viel Ghetto – und entsprechend geile Graffiti.

Außerdem finde ich es genial, mich einfach treiben zu lassen und neue Teile der Stadt zu erkunden. Den Schlüssel zum Hotelzimmer hinterlege ich und nehme nur eine Wasserflasche und mein Handy mit. Mit irgendwas muss man ja Fotos machen und mein olles iPhone 5s ist jetzt auch nicht grade mega wertvoll. Insgesamt ist es eine gute Erfahrung: Ich vermeide, wie immer wenn ich nicht in Kontakt treten möchte, jeglichen Blickkontakt. So stelle ich sicher, dass ich so unsichtbar wie als Weiße nur möglich möglich bin. Alleine Kindern und Frauen sehe ich manchmal in die Augen und lächle sie an. Spannend, was da für schöne Reaktionen und Augenblicke zustandekommen! Obwohl ich mich beim Hotel erkundet habe, ob es sicher ist, wenn ich in dieser Gegend unterwegs bin, bin ich hyperaufmerksam auf alle Faktoren in meiner Umgebung: Wohin gehe ich, wer ist da, gibt es dunkle Winkel und wenn ja, sind die leer, wen schaue ich an, wen nicht? Das ist ziemlich anstrengend, doch mein Radar funktioniert (und/oder ich hab mal wieder nen dicken Schutzengel). Aber spätestens, als mir ein Polizist UND ein alter Mann innerhalb von 30 Sekunden zu verstehen geben, dass ich mit meinem „tollen Telefon“ nicht hier sein sollte, drehe ich um und kehre zum Hotel zurück.

Dort zeigt mir der Besitzer, Victor der Grieche, die Ausbaupläne, die er für sein Hotel Casa Miller hat. Ich sei ja schließlich Reisende und Künstlerin (in komische Ecken zu kriechen, um der Graffiti willen, zählt also als Kunst – juhu!) und kann das entsprechend würdigen. So beschreibt er mir im Detail, was aus seiner Dachterasse werden soll. Und ich höre andächtig zu. Klingt cool. Und der Ausblick auf den Ancon-Hügel ist nicht übel:

Yay, Kirche

Nachdem neuapostolische Kirchen in Panama nur über untiefe Kanäle (^^) auf spanisch und nur auf gezielte Nachfrage hin zu finden sind (hier in Panama gibt es so etwas wie exakte Adressen einfach wirklich nicht), hatte ich es bisher noch nicht in die Kirche geschafft. Aber besser spät, als nie. Die Panama Stadt am nächsten gelegene Kirche finde ich in Balmoral, ca. 30-60 min von meinem Hotel entfernt (je nach Verkehrsaufkommen). Der sehr schweigsame Uber-Fahrer ist mir schon alleine deswegen mega sympathisch und liefert mich pünktlich an der Kirche ab, die wir im Teamwork auf die ausführliche Beschreibung hin auf Anhieb finden. Mein Glück: Der Fahrer wohnt gleich um die Ecke und ist bereit, mich auch wieder heimzufahren. Jackpot!

Die Kirche ist die Zentralkirche von ganz Panama, ohne Mikrofon, dafür mit so viel Klimaanlage, dass ich die Extraportion Segen brauche, um davon nicht krank zu werden… Hinterher begrüßt mich jede/-r einzelne und heißt mich willkommen: Anscheinend war bisher nur eine Deutsche in der Gemeinde. Sehr nett also! Und jetzt reicht es an Erlebnissen für einen Tag. Ich geh mich mal ausruhen für den morgigen Endspurt. P.S.: Wer heute Tipper findet, darf sie ausnahmsweise behalten.