Heute fahren wir mit dem Nachtzug von München nach Budapest. Nachhaltiges Reisen liegt mir schon länger am Herzen. Entsprechend war Fahrt mit dem Nachtzug der nächste logische Schritt. Diese entschleunigte Art der Fortbewegung fühlt sich ein wenig an wie aus der Zeit gefallen ‒ und besticht gerade deswegen als Erfahrung mit ganz eigenem Retro-Charme. Kommst Du mit?

Infos für Deine Fahrt mit dem Nachtzug nach Budapest

Abfahrt in München23:20
Ankunft in Budapest09:19
Fahrtdauerca. 10 Stunden
Preis pro Fahrt im Schlafwagen-Einzelabteil179 €
Mehr Informationen & Ticketsinternational-bahn.de

Unterwegs mit dem öbb Nightjet: Das solltest Du vorher wissen

  • Es gibt 3 Kategorien im Nachtzug nach Budapest: Sitzwagen (ab 29€), Liegewagen (ab 69€), Schlafwagen (ab 119€). Je teurer, desto mehr Komfort und Privatsphäre.
  • Im Liege- und Schlafwagen sind Wasser, Saft und Frühstück inklusive. Dein Frühstück bestellst Du abends beim Schaffner.
  • Die Waschmöglichkeit im Abteil besteht aus einem klitzekleinen Waschbecken, in dem Du Hände waschen und Zähne putzen kannst. Ein Handtuch und Seife sind bei der Fahrt im Schlafwagen inbegriffen. Toiletten findest Du auf dem Gang.
  • Menschen mit über 1,75m Körpergröße sollten sich aufs Seitenschlafen einstellen, kleinere liegen in den „Betten“ auch auf dem Rücken recht gemütlich. Mit meinen 1,68m fand ich es äußerst bequem.

Abfahrt am Münchner Hauptbahnhof, Gleis 12

Etwas müde bin ich ja schon, als ich abends um kurz vor 23 Uhr auf Gleis 12 des Münchner Hauptbahnhofs ankomme. Er steht auch schon dort, mein ÖBB Nightjet, und wartet auf die Mitreisenden. Erst traue ich mich nicht so richtig, doch der einzige Weg in den Nachtzug nach Budapest führt vorbei am uniformierten Schaffner und einem sehr sehr breit gebauten Security-Menschen.

Vorsichtig nähere ich mich dem Schaffner und frage ihn erst auf Deutsch „Nummer 21?“ und als er erst seine Liste und dann mich fragend ansieht, wiederhole ich auf Englisch: „Number 21?“. Verstehend nickt er, hakt meine Nummer auf seine Liste ab und ich darf eintreten in den Nachtzug der Österreichischen Bundesbahn, der mich in den kommenden Stunden von München nach Budapest tragen soll.

Nach links quetsche ich mich mit meinem großen Koffer in den Wagon hinein. Es gibt ja keine Gepäckbeschränkungen im Nachtzug, was dazu führt, dass mein Koffer gefühlt mehr wiegt als ich. Durch zwei weitere Schwingtüren hindurch betrete ich einen sehr sehr schmalen, langen Gang. Von ihm zweigen nach rechts zahlreiche bunte Türen ab. Als ich die Nummer 21 gefunden habe, öffne ich die Türe zu meinem „Reich“ für die Nacht. Und was soll ich sagen: Gut, dass ich nicht unter Platzangst leide.

Minimalproportionierter Luxus im Schlafwagen nach Budapest

Pandemiebedingt habe ich mir im Nachtzug nach Budapest die Luxuskategorie gegönnt: ein Einzelabteil im Schlafwagen. Eine gute Entscheidung, wenngleich eine etwas kuschelige.

Meine kompakte Kabine besteht aus einem schmalen Gang, einem Stockbett, einem Spiegelschränkchen, einem klitzekleinen Waschbecken, das gleichzeitig als Tisch fungiert – und dem Zugfenster, das man mit einem Rollo verdunkeln kann.

Im Abteil inbegriffen ist ein ganzes Regelungspanel, das aus dem letzten (oder vielleicht auch vorletzten?) Jahrhundert zu stammen scheint. Wozu all diese Schalter gut sind? Ich kann es größtenteils erahnen. Was ich jedoch weiß: den Temperaturregler auf kalt drehen ändert nichts. In meinem Abteil bleibt es die ganze Fahrt von München bis nach Budapest tropisch warm.

Kurz vor dem Schlafen klopft es an der Türe. Es ist der Schaffner, der meine Frühstücksbestellung aufnehmen möchte. Mit einem Bleistift hake ich auf einer Liste sieben Dinge an, die ich zum Frühstück möchte: O-Saft, Tee, Butter, Marmelade, Nutella, Käse und Toast – Baguette ist nämlich aus. Morgen Früh gegen 8 Uhr soll mein Frühstück dann serviert werden. Ich bin gespannt!

Schaukel, ruckel, schuckel, quietsch, brems und wackel ‒ bis nach Budapest

Es ist schon spät, halb eins etwa. Somit ist die Zeit gekommen, das zu tun, weswegen ich den Schlafwagenplatz gebucht habe: zu Schlafen. Nach einem letzten Gang ums Eck verschließe ich meine Türe, ziehe den Rollo nach unten, rücke meine pinke Schlafbrille auf die Nase und mache es mir auf meiner schmalen Pritsche bequem. Auch wenn meine Beine in der Länge gerade so reinpassen, fühlt sich das Bett im Nachtzug ziemlich kuschelig an.

Die ganze Nacht über schuckelt und ruckelt es. Längere Zeit stehen wir, dann fahren wir wieder los. Und dieses Wissen, liegend irgendwo über Gleise zu hoppeln, fühlt sich im Halbschlaf schon etwas ungewohnt an. Gedanken wie „Was ist, wenn der Zug jetzt einfach irgendwo anders hinfährt?“ oder „Was ist, wenn sie uns falsch ankoppeln?“ prägen meine Nacht.

Entsprechend stellt sich der Schlaf im Nachtzug nur sehr sporadisch ein ‒ doch das macht nichts: am nächsten Tag habe ich Urlaub und werde durch Budapest bummeln.

Als ich am Morgen irgendwann die Augen auftue und durch den Rollo luge, steht unser Zug gerade im Wiener Hauptbahnhof. Guten Morgen Wien! Mit Blick auf die österreichische Hauptstadt putze ich mir die Zähne und warte dann gut gelaunt und mit leichtem Jetlag auf mein Frühstück.

Das ist kulinarisch nicht unbedingt überwältigend, doch es füllt das Bäuchlein, bis wir ein paar Stunden später mit leichter Verspätung im verheißenen Land ankommen: Budapest-Keléti. Endstation unser Fahrt im Nachtzug von München nach Budapest. Und Auftakt meiner dreiwöchigen Budapestreise. Juhu!

Ein Plädoyer für nachhaltige Fernreisen mit dem Nachtzug

Fliegen ist nicht die klimafreundlichste Art zu reisen ‒ vor allem auf kurzen und mittellangen Strecken. Während sich das Fliegen bei Fernreisen kaum vermeiden lässt, gibt es für kürzere Reise deutlich umweltfreundlichere Transportmittel. Dazu gehört unter anderem die Bahn.

Selbst wenn Du – so wie ich – Deine Zeit nicht tagelang mit Zugfahren verbringen möchtest, gibt es eine besonders clevere Art zu Reisen, die auch noch gut fürs Klima ist. Du ahnst es: ein Urlaub im Nachtzug mit Schlafwagen.

Innerhalb von nur einer Nacht kannst Du mit dem Nachtzug von München aus Ziele wie Budapest, Amsterdam, Florenz, Wien, Rijeka, Ljubliana und viele andere europäische Städte erreichen – und das bequem im Schlaf. Morgens kommst Du dann (mehr oder weniger) ausgeschlafen vor Ort an und kannst direkt damit anfangen, Dein Reiseziel zu erkunden. Ein super Konzept, finde ich.

Bevor Du jetzt nach dem Kostenvergleich fragst: die Fahrt mit dem Nachtzug ist nicht viel teurer als ein innereuropäischer Flug mit einer normalpreisigen Airline. Und wenn Du dann berechnest, dass Du Dir durch die nächtliche Zugfahrt gleich zwei Übernachtungen im Hotel sparst, wird es preislich richtig interessant.

Meine Budapest-Reise ist jedenfalls nicht das letzte Mal, dass mit dem Nachtzug durch Europa gefahren bin. Für meine innereuropäischen Reisen werde ich ab sofort öfter den ÖBB Nightjet nutzen. Das nächste Mal kann ich unterwegs vielleicht sogar schlafen.

PS: Genau so war es dann auch.

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