Fast schon kitschig-schön ist Madeiras sonnigster Ort Ponta do Sol: das bunte Städtchen im Südwesten der Insel liegt zwischen zwei schroffe Felskaps gekuschelt. Doch neben romantischen Charme überrascht der madeirische „Sonnenpunkt“ mit seiner künstlerischen Seite. Lass es uns gemeinsam entdecken!

Parken? Natürlich im Tunnel!

Wir fahren mit dem Mietwagen hinunter nach Ponta do Sol auf der Suche nach einem Parkplatz. (Ich mag es, wenn Du mich zu meinen Ausflügen begleitest!) Unten an der Promenade angekommen bietet sich uns ein extrem ungewöhnliches Bild: zu unserer Linken liegt ein Tunnel – der als Parkplatz genutzt wird.

Klar: In Ponta do Sol sind ebene Flächen Mangelware (wie übrigens auch überall sonst auf Madeira). Und so parkt man hier eben in alten, nicht mehr genutzten Tunneln.

Ponta do Sol Parkplatz in einem Tunnel
Und schick bemalt ist er außerdem noch, dieser ungewöhnliche Park-Tunnel…

Aus dem Tunnel heraus treten wir auf die schmale, schnuckelige Promenade mit Palmen und einer bunten Häuserzeile, die aus zwei Hotels besteht. Doch bevor wir die Promenade entlangflanieren, laufen wir nach links recht steil den Berg rauf. Und rein ins quietschgelbe Mini-Restaurant Sol Poente, das wie ein Adlerhorst oben am Felsen über dem Strand zu kleben scheint.

Das Restaurant Sol Poente in Ponta do Sol hat einen Balkon mit herrlichem Ausblick – den man jedoch besser nutzt, wenn der Ostwind einen nicht ins Meer pusten möchte.

Ein Nachmittagshüngerchen ist es der uns in das Lokal treibt – und vielleicht auch der Wunsch, ein wenig dem Wind zu entkommen, der trotz der strahlenden Novembersonne geradezu unerbittlich braust.

Doch im Warmen sitzend ist die Aussicht über Ponta do Sol so herrlich, dass das leckere Käse-Tomaten-Sandwich im Bolo do Caco-Kartoffelbrot und der Maracuja-Saft schnell zum Nebendarsteller werden.

Blick vom Restaurant Sol Poente

Über die Kaianlage, entlang der Promenade und über den Strand

Ausreichend gestärkt stemmen wir uns gegen die steife Brise und folgen den steinernen Kaianlagen, die fröhlich gelb gestrichen sind. Von dort aus haben wir einen grandiosen Blick: sowohl über die Steilküste, als auch über Ponta do Sol selbst.

Besonders einzigartig ist für mich die gemauerte Bogenbrücke, durch die hindurch der Atlantik blitzblau leuchtet.

Blick auf Ponta do Sol

Anschließend schlendern wir hinunter zur Promenade, über der sich die Palmen zeitweise ein wenig biegen. Der Strand von Ponta do Sol liegt verlassen da. Im November – zumindest bei starkem Wind – ist es mir persönlich zu gefährlich, hier zu baden.

Auch wenn die Stroh-Sonnenschirme einen Vorgeschmack auf den Sommer erahnen lassen… So, wie ich mich kenne, würde ich mir mindestens die Zehen an den groben Kieseln anstoßen. Und Du mich vermutlich liebevoll auslachen, oder?

Promenade von Ponta do Sol im Südwesten von Madeira
Strand von Ponta do Sol

Die „Innenstadt“ von Ponta do Sol

Vom Ende der Promenade sind es nur wenige Meter bis zur „Weggehmeile“ von Ponta do Sol: die Rua Dr. João Augusto Teixeira ist eine schmale Gasse mit insgesamt drei Restaurants und einer Bar, die sehr hübsch zwischen der historischen Kirche und kleinen Häuschen hindurch zum Dorfplatz führt.

Hier im Dorfkern liegt etwas, das im dörflichen Stadtbild sofort ins Auge sticht: das moderne Kulturzentrum John Dos Passos. Benannt nach dem US-amerikanischen Schriftsteller mit portugiesischen Wurzeln, der Ponta do Sol im Jahr 1960 besuchte. Hier soll der Autor die Worte gesprochen haben: „Die Wahrheit ist, ich könnte ein Jahrhundert auf Madeira verbringen.“

Hoch zur Kapelle San Sebastião

Vom Kulturhaus aus biege ich nach links in eine Straße ein und folge dem Schild in Richtung der Capela San Sebastião hinauf zum Miradouro genannten Aussichtspunkt.

Wie immer, wenn man in Madeira weiter als 10 Meter läuft, geht es recht schnell recht steil bergauf. Und etwas, was mir an vielerlei Orten auf dieser Insel auffällt: die Madeirer setzen kaum auf Treppen. Vielmehr bauen sie lustige Bodenwellen, die eine ähnliche Funktion erfüllen.

Oben am Miradouro angekommen erstreckt sich die Altstadt von Ponta do Sol im herrlichen Sonnenschein unter mir. Als ich mit Dos Passos’ Satz im Kopf mein Auge über Ponta do Sol schweifen lasse, die Glücksgefühle in meinem Bauch zähle und an all die herrlichen Ausblicke, Levadas und verzauberten Orte von Madeira denke, kann ich ihm nur zustimmen…

Die Wahrheit ist, ich könnte ein Jahrhundert auf Madeira verbringen.

John Dos Passos

Straßenkunst in Ponta do Sol

Wer hätte es gedacht? Gerade in diesem ehemaligen Fischerdorf mit knapp 5000 Einwohnern geht es an allen Ecken und Enden bunt zu. Wovon ich spreche? Von Streetart und Graffiti, die hier überall die Wände verschönern. Und zwar nicht irgendwelche Motive. Nein. Alle haben einen Bezug zur Geschichte der Stadt, die immerhin bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückreicht.

Hier wird Kunst mit der Pflege des Kulturerbes und des kollektiven Gedächtnisses kombiniert: Stickereien, Blumenmotive, Fischerei und Ackerbau oder Folklore sind nur einige der Themen, die auf den Wänden des historischen Zentrums von Ponta do Sol verstreut sind.

Was andere vielleicht als Schmiererei betrachten, ist in meinen Augen einfach nur schön. Was meinst Du dazu: gewinnt Ponta do Sol durch diese Streetart oder verschandelt es das historische Stadtbild?

PS: Hier am Sonnenpunkt ist es gerade abends, zu und nach dem Sonnenuntergang, seeeehr romantisch

Dir hat unser Bummel durch Ponta do Sol gefallen? Oder Du hast etwas entdeckt, was ich mir bei meinem nächsten Besuch hier unbedingt sehen sollte? Ich bin gespannt, was Du mir schreibst.

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