Hoch oben über Ponta do Sol bewässerten einst die Levada do Moinho und die Levada Nova ausgedehnte Zuckerrohrplantagen im Südwesten von Madeira. Heute bieten sie uns Genusswanderern die rare Möglichkeit, eine Levada-Rundwanderung auf gleich zwei ganz unterschiedlichen Levadas zu erleben. Mit ca. 3 Stunden Gehzeit und etwa 110 Höhenmetern spazieren wir entspannt in den Sonnenuntergang – allerdings mit kleinen Hindernissen.
Vorab: Die Levada do Moinho befindet sich (Stand März 2025) von Jahr zu Jahr in schlechterem Zustand. Inzwischen würde ich sie nicht mehr für Familien mit kleinen Kindern empfehlen, weil an mehreren Stellen Erdrutsche umklettert werden müssen. Machbar für gesunde und schwindelfreie Erwachsene, nicht so ratsam mit Kleinkindern.
In diesem Artikel:
Einstieg in Lombada do Ponta do Sol
Hoch und höher schraubt sich die gleichzeitig immer schmäler werdende Straße über dem Tal der Ribeira do Ponta do Sol im Südwesten von Madeira hoch nach Lombada do Ponta do Sol. Der Mietwagen schnauft im dritten, zweiten und schließlich im ersten Gang. Schön, dass Du mitgekommen bist und wir gemeinsam den vielen lachsfarbenen Schildern folgen, die in Richtung Levada do Moinho und Levada Nova zeigen.
Natürlich verpassen wir gleich einmal die korrekte Ausfahrt und damit den korrekten Parkplatz zwischen dem Herrenhaus Solar dos Esmeraldos und der Kirche von Lombada, den ich Dir jedoch wärmstens ans Herz legen kann. (Inklusive sauberer Toilette, welch Luxus!) Seit 2024 steht hier auch ein schnuckeliger Kiosk, der leckere Snacks und eine Bica (Espresso) serviert. Hier kannst DU vor dem Loswandern meinen Blog lesen. Und direkt den richtigen Ausgangspunkt für Deine Levada-Rundwanderung wählen – ich hatte diesen Luxus nämlich nicht. 😉 Natürlich kannst Du Dich auch nach dem Wandern mit einem frischen O-Saft belohnen.
Weil die Wanderung entlang der beiden Levadas jedoch eine Rundwanderung ist – juhu! – spielt der Ausgangspunkt nur eine untergeordnete Rolle. Und so können wir in jedem Fall gemeinsam Loswandern. Auf gehts!

Entlang der Levada Nova
Die Levada Nova ist – ihr Name verrät es schon – einer der neueren Bewässerungskanäle auf der Insel: Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde diese Levada angelegt, die sich über 40 Kilometer von Ribeira Brava im Süden bis nach Ponta do Pargo ganz im Osten von Madeira schlängelt.
Wir parken unser Auto genau vor dem Einstieg in die Levada Nova und folgen ihr wenige Meter durch Zuckerrohrfelder und dörfliche Häuser, bis sie auf einer Höhe von etwa 400 Metern hinaus in die Schlucht der Ribeira do Ponta do Sol führt.
Die Levada Nova ist völlig anders, als die anderen Levadas, die ich bisher bewandern durfte: Aktuell führt sie gerade kein Wasser. Alle ihre Schleusen stehen offen und auf Durchzug. Nur an manchen Stellen steht ein wenig (mehr) Regenwasser.




Dazu kommt, dass wir den gesamten Weg über auf der betonierten Einfassung der Levada wandern können. Das bedeutet: kein Matsch, kein Waldboden, keine Umknick-Gefahr für zarte Knöchel. Jackpot! Dem zügig Ausschreiten steht also nichts im Weg – außer die unfassbar traumhafte Aussicht hinunter zum Meer und hinein in die grün-bewachsene Schlucht hinauf bis zum Hochland.
Etwa 30 Meter unterhalb, parallel zu unserer Levada-Rundwanderung, sehen wir beim Laufen immer wieder die Levada do Moinho aufblitzen.
Hier stehen eigentlich meine Reiseführer-Tipps von Amazon. Klick auf den Button, um sie Dir anzusehen.
Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden können.
Durch den Tunnel zum Wasserfall
Eine gute Levada braucht einen Tunnel und die Levada Nova liefert ihn brav: dieser Levadatunnel hat einen angenehm breiten Fussweg, den wir trockenen Fußes mit der Handy-Taschenlampe zügig durchschreiten. (Fies, dass ich den Witz mit dem Licht am Ende des Tunnels schon in meinem Artikel über die Wanderung an der Levada da Ribeira da Janela gebracht habe…)
Feucht wird es erst am anderen Ende: Hier sprudelt ein beeindruckender Wasserfall bestimmt 15 Meter oder mehr aus dem Felsen heraus in die Tiefe. Und die Levada läuft direkt hinter dem Wasserfall vorbei, was für einen der spektakulärsten Ausblicke auf dieser Levada-Rundwanderung sorgt. Wow!
Gut, dass es die letzten Tage ordentlich geregnet hat! Und gut, dass wir die Handy-Taschenlampe und eine Regenjacke dabei hatten.


Abstieg zur Levada do Moinho
Nach etwa 1:15 Stunden Wanderung erreichen wir eine Treppe, die links vielleicht 30 Meter hinunter zur Levada do Moinho führt. (Zugegeben: Von den 1:15 sind wir maximal 50 Minuten gewandert. Den Rest der Zeit standen wir eher einträchtig staunend und fotografierend da. Upsi.)



Unten angekommen machen wir gemeinsam einen kleinen Abstecher, der nach rechts durch das Flussbett der Ribeira do Ponta do Sol führt. Laut meinem Rother Wanderführer geht es hier angeblich zu einem weiteren Wasserfall. Sagen wir so: Der Weg durch den Fluss war definitiv abenteuerlicher als der funzelige Wasserfall, den wir erstmal länger gesucht haben.
Daher kann ich Dir zwar von diesem Umweg berichten, ihn Dir jedoch nicht unbedingt empfehlen. Es sei denn, Du spielst gerne Super Mario und hüpfst über schlüpfrige Steine durch sprudelnde Bachbetten … In diesem Fall solltest Du den Abstecher ganz dringend unternehmen!
Neue Levada, neue Welt: Rückweg unserer Levada-Rundwanderung
Auf der Levada do Moinho tauchen wir in eine grün-bewaldete, von Fauna überwucherte Welt ein. Fast fühlt man sich wie in einem Märchen: die Stimmung irgendwo zwischen verwunschen und verzaubert, zunehmend in ein weiches Abendlicht getaucht.
Entlang der Levada führt ein Pfad aus festgetretener, roter Erde: die sogenannte Esplanada. Die Levada do Moinho selbst ist schmaler und flacher, als die Levada Nova und führt tatsächlich größtenteils Wasser.
Von überhängenden Felsen tropft es uns hier und da auf den Kopf, so dass ich meine Kapuze überziehe und das Handy wegpacke – zumindest kurzfristig. Denn das Meer taucht langsam wieder am Ende der Schlucht auf und die Landschaft wirkt im Abendlicht immer mehr wie gemalt. Natürlich kann ich nicht widerstehen und halte diese schönsten Momente der Levada-Rundwanderung für Dich fest.



Levadawanderung mit Hindernissen
Es wird also malerisch, malerischer, am malerischsten … Meinem Entzücken sind kaum Grenzen gesetzt. Auch Du kannst Dein Handy nicht in der Tasche behalten und knipst fleißig drauflos.
Zumindest bis wir ziemlich abrupt stoppen, weil der Weg hier endet: Ein Erdrutsch hat tatsächlich die gesamte Breite des Pfades mit Felsbrocken, Erde und dickem Dornengestrüpp verschüttet.

Ratlos gucken wir uns an. Den gesamten Weg zurücklaufen? Und das 45 Minuten vor Sonnenuntergang? Keine so gute Idee! Also was tun?
Ich raffe meine 12 Jahre Klettererfahrung zusammen. Nacheinander hangeln wir uns am halbwegs stabilen Drahtseil der Wegbefestigung entlang. Achtung, Dornen verhaken sich gerne mal an den unpassendsten Stellen! Heil am anderen Ende angekommen klatschen wir uns erleichtert ab und wandern entspannt weiter in Richtung Lombada do Ponta do Sol, Kirche und Sonnenuntergang.
–> Update 05.11.2021: Das Hindernis ist inzwischen fast spurlos behoben und Du kannst ganz unbehindert auf der Levada do Moinho wandern.
–> Update März 2025: Dafür gibt es an mehreren Stellen neue Erdrutsche.
Als wir an der Kirche von Lombada da Ponta do Sol ankommen, finden wir folgende Absperrung mit dem Hinweis, dass der Levadaweg wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Nuja, hinterher ist frau ja immer schlauer…

Ein Blick auf das alte Herrenhaus Solar dos Esmeraldos, in dem heute eine Schule untergebracht ist und hinter dem langsam die Sonne leuchtend gelb im Meer versinkt, macht die Levadawanderung auf der Levada do Moinho perfekt.



Und als wir den Berg nach oben zum Auto hinaufschnaufen – irgendwo müssen die 110 Höhenmeter ja herkommen – entschädigt uns ein zauberhafter Sonnenuntergang hoch über Ponta do Sol. Das perfekte Finale dieser Levadawanderung, oder?
Das agrare Erbe von Madeira
Was uns beide die gesamte Levada-Rundwanderung über beschäftigt, sind die unzählig vielen Terrassen an den Berghängen. Diese sind seit der Wiederentdeckung von Madeira im Jahr 1419 alle von Menschenhand am Hang angelegt worden. Denn ebene Flächen sind hier auf der Insel Mangelware, Ackerbau am Steilhang ist auch irgendwie schwierig und von irgendwas will der Mensch ja am Ende des Tages herunterbeißen.
Klar, viele der Terrassen werden heute nicht mehr bewirtschaftet. Doch gerade dort, wo heute noch Menschen wohnen, werden auch noch die kleinsten Felder bestellt. Mit Kartoffeln, Süßkartoffeln, Zwiebeln, Chayote, Grünkohl, Maracuja, Paprika und und und. Was der Mensch halt so zum lecker Leben braucht …
Kurz: Man merkt, dass die Madeirer kein reiches Volk sind und das Selbstversorgertum zu ihrem Alltag dazugehört. Oftmals mit einer Kuh oder Ziege im Garten. Weil warum denn auch nicht? 😉


Dir hat unsere Levada-Rundwanderung gefallen?
Kennst Du noch andere tolle Levada-Rundwanderungen auf Madeira? Oder Du hast etwas entdeckt, was ich bei meiner nächsten Wanderung entlang der Levada do Moinho und Levada Nova unbedingt sehen sollte?
Lass mir gerne einen Kommentar unter diesen Blogbeitrag das und erzähl mir davon. Ich freue mich sehr über Deine persönlichen Wandertipps auf Madeira!
Und jetzt wünsche ich Dir einen zauberhaften ‒ und besonders aussichtsreichen ‒ (Wander-)Urlaub auf der portugiesischen Blumeninsel!
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