Wandern ist die eine Möglichkeit, um die Ponta de São Lourenço zu erkunden. Die zweite, vielleicht noch abenteuerlichere, Option zum Entdecken der östlichsten Halbinsel von Madeira: eine Bootstour! Ein Schlauchboot schippert uns vorbei an der vorgelagerten Insel Ilhéu da Cevada bis ganz nach vorne zur Ilhéu do Farol, auf der ein niedlicher Leuchtturm Wacht hält. Erst auf dem Rückweg erlebe ich im Hotel Quinta do Lorde mein persönliches Highlight, das jedoch ziemlich schnell ziemlich schief geht…

Was bisher geschah…

Vielleicht erinnerst Du Dich ja noch daran, dass wir beide [wir?] heute schon von der Baia d’Abra über die Ponta de São Lourenço bis zur Casa do Sardinha gewandert sind. Dort sind wir auf ein Schild gestoßen, auf dem verschiedene Bootsfahrten angeboten wurden. Natürlich haben wir das genutzt und spontan eine Bootstour zum Leuchtturm und zurück zum Parkplatz gebucht. Wenn Du Dein Gedächtnis auffrischen und den ersten Teil unseres Abenteuers nochmal nachlesen möchtest: hier entlang.

Mit dem Boot zur Leuchtturms-Insel Ilhéu do Farol

Ein großes, blaues Schild an der Casa do Sardinha verrät uns, dass es vom nebenan gelegenen Anleger aus verschiedene Bootstouren mit unterschiedlichen Routen gibt. Das lassen wir uns natürlich nicht 2x sagen und buchen im Café der Casa do Sardinha unsere Madeira-Bootstour.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist ponta-de-sao-lourenco-bootstour-768x1024.jpg
Die Bootstour Lighthouse View I, die uns vom Cais do Sardinha über die kleine Leuchtturminsel zurück zum Parkplatz an der Baia d’Abra führt, kostet pro Person 20€. 20 gut investierte Euro, wie ich anmerken möchte.

Etwa 15 Minuten vor Abfahrt kehren wir der Casa do Sardinha den Rücken zu und schlendern in wenigen Minuten hinunter zum Cais do Sardinha. Unten am Bootsanleger kann man im blitzeblauen, glasklaren Wasser ganz wunderbar baden – nur haben wir leider nicht mehr genug Zeit dafür. Denn schon nach ganz kurzem Warten legt unser kleines Boot an und unsere blond-gelockte, madeirische Führerin reicht uns die Hand zum Einsteigen.

Flach und gemütlich führt der Weg von der Casa hinunter durchs grüne Gras zum Cais do Sardinha.

Der Atlantik meint es heute gnädig mit uns: so glatt und wellenlos sei das Meer nur sehr selten im rauen Osten von Madeira, versichert unsere Führerin lächelnd. Obwohl ich durchaus seetauglich bin, habe ich nichts dagegen, dass ich ungeniert fotografieren und filmen kann, ohne dass entweder das Smartphone oder ich aus dem Boot zu fallen drohen.

Unsere Bootstour entlang Madeiras östlichstem Zipfel ist beeindruckend: erst vom Wasser aus kann ich so richtig sehen, wie hoch die steilen Felsen tatsächlich zum Himmel ragen.

Vorbei gleiten wir an der ersten vorgelagerten Insel Ilhéu da Cevada, die nur von Vogelforschern betreten werden darf. Ein echtes Paradies, auf dem sich besonders seltene Möwen sowie Tauben und andere Vögel tummeln. Ab und zu sieht man hier wohl sogar Seehunde. Anscheinend haben die heute Nachmittag jedoch keine Lust, sich von den Touristen auf dem Boot ansehen zu lassen.

Vom echten Leuchtturm zum falschen Leuchtturm im falschen Dorf

(Erster) Höhepunkt unserer Madeira-Bootstour ist ganz eindeutig der kleine Leuchtturm, der total putzig und klein oben auf der unbewohnten Ilhéu do Farol thront. Übrigens wurde der Leuchtturm schon im Jahr 1870 auf der Spitze eines kleinen erloschenen Vulkans gebaut und ist damit der älteste Leuchtturm auf Madeira.

Auf der Rückfahrt gibt unsere Führerin noch einiges Wissen preis, das mir die frische Meerluft zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinauspustet. Dir geht es vermutlich genauso – schließlich ist heute Sonntag. Da darf das Hirn ein wenig ruhen und die Natur genießen. Und so schließe ich die Augen, erfreue mich am Auf und Ab des Seegangs und atme tief ein.

Denn Seeluft in den Lungen (so behauptet es jedenfalls ein Schild in Porto Moniz im Norden von Madeira) beugt nicht nur Lungenkrebs und Bluthochdruck vor, sie wirkt sich auch positiv auf die Psyche aus. Ich hätte das Schild abmontieren und mitnehmen sollen, quasi als ersten Schritt in Richtung der Einführung des Urlaubs auf ärztliches Rezept…

Achtung: Jetzt wird es wunderlich!

Kurz bevor wir unser Ziel erreichen, wird unsere Bootstour ziemlich kurios: am Ufer sehen wir ein hübsches Dorf. Komplett mit Kirche, Häusern, Hafen – und einem Leuchtturm. Was vom Boot aus bilderbuchhaft wie ein madeirisches Dorf wirkt, ist in Wahrheit ein 5-Sterne-Hotel: das Quinta do Lorde Resort Hotel Marina.

Und weil ein falsches Dorf allein noch nicht schräg genug ist, legt unsere Führerin mit geballtem Insider-Klatsch-Wissen nach: Offensichtlich wurde das Hotel in der Nähe von Caniçal von einem Investor gebaut, der dann einzelne Gebäude gewinnbringend verkaufen wollte.

Anscheinend ging der Plan jedoch nicht auf und der Investor ging mit 114 Millionen Euro Miesen insolvent. Anfang 2020 wurde das falsche Dorf mit dem falschen Leuchtturm wohl für 60 Millionen Euro verkauft. Und ja: natürlich habe ich das nachrecherchiert. Ich kann einer verrückten Geschichte einfach nicht widerstehen!

Ach ja: der falsche Leuchtturm beherbergt ein schickes Restaurant. Falls Du Dich das auch gefragt haben solltest.

Ende der Madeira-Bootstour in der Marina Quinta do Lorde

Mit meinen Gedanken bin ich noch Großteils im ostmadeirischen Immobilien-Skandal als unsere Bootstour in der luxuriösen Marina Quinta do Lorde endet. Wir steigen aus und wie immer nach dem Bootfahren wackelt die ersten Minuten der Boden unter meinen Füßen – ich liebe es!

Als ich mich endlich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren kann, fallen mir zwei Dinge auf:

1. Luxus kann echt total schön sein.

2. Unser Ausflugsboot (ganz rechts) verblasst im Yachthafen ein wenig neben den schicken Booten und Schiffen. Nur ein klitzeklein wenig…

Um die Straße zu erreichen, die uns zurück zu unserem Parkplatz in der Baia d’Abra bringt, überqueren wir zuerst das Hotelgelände. Einerseits bemerke ich: Ja, es ist edel hier (wenn man von ersten Verfallszeichen an den Gebäuden absieht, an denen das raue Wetter tagein, tagaus nagt). Und andererseits ist es ruhig. So richtig ruhig. Klar, das Hotel hat ja gerade geschlossen. Corona-Dinge und so.

Illegales Badevergnügen im 5*-Meerwasser-Schwimmbecken

Entsprechend ist niemand unterwegs, als unser Auge auf ES fällt: ein herrlich spiegelglattes Meerwasserschwimmbecken. Leer. Der perfekte Pool scheint nur auf uns gewartet zu haben. Und wir waren ja heute noch nicht baden. Da gibt es nur eins: Klamotten runter und rein ins Wasser!

Herrlich, ein kühler Traum nach diesem sonnengetränkten und teilweise staubigen Ausflugstag. Glücklich wassertretend hänge ich vorne am Beckenrand, wo Meer auf Schwimmbecken trifft und bewundere die Ilhas Desertas am Horizont…

… als ein Golfcart mit quietschenden Bremsen anhält und ein Mann in Uniform mit fuchtelnder Hand die Treppen zum Schwimmbecken herunterjoggt. Etwas schroff fordert er uns auf Portugiesisch dazu auf, aus dem Pool zu klettern. Aber dalli! Und bleibt erwartungsvoll mit verschränkten Armen an der Ausgangstreppe stehend.

Ich spreche ein stilles Dankgebet, dass ich doch nicht nackig in den Pool gesprungen bin und wate in Richtung Ufer. Raffe all mein Selbstbewusstsein zusammen und steige höflich lächelnd aus dem Becken, Du nur wenige Schritte hinter mir. Erst als wir wieder angezogen sind – klar, wer will schon eine kostenlose Peepshow verpassen – zieht der Security-Mensch wieder von dannen.

Ein klarer Fall von „Ups“. Mit geröteten Wangen schauen wir uns an und sind uns restlos einig: das war es wert! Und wenn ich groß bin, will ich ein eigenes Meerwasserschwimmbecken. Doch das nur ganz nebenbei.

Durch das verlassene Fake-Dorf stapfen wir vorbei an der Fake-Kirche über den geisterhaft verlassenen Fake-Dorfplatz.

Bevor das Hotel Quinta do Lorde in der Nähe von Caniçal Corona-bedingt geschlossen wurde, war die Kirche ein beliebtes Hochzeitsziel für Luxustouristen auf Madeira.

Auf dem Rausweg zur Straße laufen wir vorbei am Sicherheitsmann, der uns mit undurchdringlichem Blick von seiner Pforte aus mustert. Diese bekloppten Touris auch immer…

Bei Sonnenuntergang vom Hotel zurück zum Parkplatz

Entlang der Straße schaue ich immer wieder über den Atlantik, über den sich das warme Abendlicht ergießt, ist prächtig anzusehen ist.

Zurück am Parkplatz werfen wir einen letzten Blick zurück auf die Ponta de São Lourenço, die die im verblassenden Tageslicht mitten im ruhigen Meer liegt und sich nun schlafen legt, um für die Wanderer am nächsten Tag wieder in ihrer vollen Schönheit zu erstrahlen.

Hast Du diese Madeira-Bootfahrt auch schon gemacht? Oder eine der anderen Routen genommen? Erzähl! Ich will da nämlich gerne wieder hin und noch mehr Bootstouren auf Madeira mitmachen.

Tagged als