Karg ist Lanzarote nur auf den ersten Blick. Blickst Du näher hin, findest Du in der schwarzen Lava-Landschaft überall endemische Pflanzen. Im Jardín de Cactus ‒ Lanzarotes berühmtem Kaktusgarten ‒ hat der Insel-Künstler César Manrique den Kaktusgewächsen der Insel ein Denkmal gesetzt. Dafür hat er einen ehemaligen Steinbruch zum blühenden Museumsgarten mit über 4500 Kakteen umgestaltet. Klar, dass ich mir den unbedingt ansehen will! Kommst Du mit?

Einmal in den Osten, bitte!

Lanzarotes Kaktusgarten liegt inmitten von riesigen Kaktusfeldern am Ortsausgang von Guatiza im Osten der Insel. Ein turmhoher Kaktus direkt an der Straße weist uns unübersehbar den Weg. (Näher gekommen stellen wir fest, dass dieses 8 Meter hohe Prachtexemplar zwar ganz aus Metall besteht – doch der Wow-Effekt bleibt!)

(Neu hier? „Uns? Wir?“, fragst Du Dich vielleicht? Korrekt. Das ist so eine Angewohnheit von mir: Ich beziehe Dich als Leser:in gerne in meine Reiseabenteuer mit ein. Dir geht das zu schnell? Lerne mich am besten erstmal kennen – und entscheide dann, ob Du wirklich mit mir den Kaktusgarten besuchen möchtest. Für alle anderen: Wir kaufen uns jetzt gleich mal ein Ticket und schießen ein Selfie mit dem metallenen Riesenkaktus.)

Eintritt & Öffnungszeiten

Der Jardín de Cactus ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. 2022 liegt der Eintrittspreis für Erwachsene bei 6,50 €, Kinder von 7 bis 12 Jahre zahlen die Hälfte. Für jüngere Kinder ist der Eintritt in den Kaktusgarten auf Lanzarote sogar kostenlos. (Die jeweils aktuellen Preise und Öffnungszeiten findest Du auf cactlanzarote.com.)

Vom Steinbruch zum botanischen Wunderwerk

Noch in den 1980er-Jahren befand sich Guatiza eine stillgelegte Picón-Grube. Hier hatten die Insulaner über hundert Jahre lang Lapilligestein für den Trockenfeldanbau abgebaut. Dann lies die Inselregierung von Lanzarote den Kaktusgarten anlegen – natürlich nach Plänen von César Manrique und seinem Freund Jésus Soto. 1990 eröffnete der Garten und begeistert seither jeden Tag unzählige Besucher.

In Aufbau und Form ist der Jardín de Cactus wie ein Amphitheater angelegt: die hohen Wände steigen terrassenförmig schräg ab. Viele kleine Wege aus Lavagestein verlaufen auf den verschiedenen Ebenen und durchziehen das weitläufige Areal.

Wir steigen zunächst die Treppen hinab mitten ins Geschehen und lassen uns dann treiben. Auf unserem Weg durch den Kaktusgarten stoßen wir auf eine fast schon verschwenderische Vielfalt von Kakteen und Wolfsmilchgewächsen aller Formen, Größen und Herkunftsländer. Denn die Kakteen stammen nicht ausschließlich von den Kanaren; zum Teil sind sie auch aus Afrika und den Amerikas eingeführt.

Laut der offiziellen Website finden wir hier 4500 Kakteengewächse, 450 verschiedene Arten und 13 Gattungen. Vom winzigen Kugelkaktus mit kleinen pinken Blütchen (hach, Herzchen, ich will ihn adoptieren!) bis hin zu baumgroßen Stachelriesen ist im Jardín de Cactus wirklich alles vertreten. Besonders hübsch ist, dass viele Kakteen gerade leuchtend bunt blühen: gelb, orange, rosa, pink und rot. Von wegen Lanzarote ist schwarz und öde!

Und so lohnt es sich, dass wir uns ausgiebig Zeit nehmen und die Anlage mit ihrer Vielgestaltigkeit ausgiebig erkunden: etwa 1,5 Stunden brauchen wir für unseren Besuch. Doch länger geht immer – schließlich gibt es im Reich der Kakteen allerhand zu entdecken!

Kunst in Lanzarotes Kaktusgarten

Neben Kakteen gibt es natürlich mehr als „nur“ Botanik – was war auch anderes zu erwarten in einer Sehenswürdigkeit, die der Künstler César Manrique gestaltet hat: verschiedene Goldfischteiche, kleine Wasserfälle und bizarr geformte Lavastelen setzen gezielte Kontraste zur stacheligen Hauptattraktion des Jardín de Cactus.

Die Stelen stammen übrigens noch aus dem Steinbruch: sie waren damals zu hart, um abgetragen zu werden und wurden deshalb einfach stehen gelassen. Manrique hat sie dann mit seiner einzigartigen Ästhetik in die Parkanlage integriert.

Auch Architekturliebhaber kommen im Kaktusgarten nicht zu kurz: der Souvenirshop ist in einem kuriosen Pavillon untergebracht. Auf dessen Dach ist eines von Manriques typischen Windspielen montiert. Direkt davor erkennen wir ein Gesicht aus Stein, aus dem heraus ein kleiner Wasserfall plätschert. Auch die Cafeteria mit ihrer kunstvollen Installation aus Glas und Metall im Herzen des Treppenhauses erkennen wir eindeutig ein Werk von César Manrique.

Hingucker und Höhepunkt des Jardín de Cactus

Hoch über dem Jardín de Cactus thront eine leuchtendweiße Gofio-Mühle. Mit ihrer Kontrastfarbe bildet sie einen markanten Blickfang und ist inzwischen fast schon eine Art Wahrzeichen von Lanzarote. (Zumindest ist sie in jedem Reiseführer und auf jeder Website über Lanzarote zu finden.)

Sowohl die Mühle als auch die gesamte Grube befanden sich in einem völlig heruntergekommenen Zustand, bevor Manrique darin den Kaktusgarten anlegte. Seitdem wurde die Mühle völlig restauriert. Im Inneren steigen wir bis unters Dach und bestaunen dort das große Mahlwerk. Doch vor allem der Blick von der Eingangstüre über den Kaktusgarten und die umliegende Vulkanlandschaft ist den Aufstieg vom Garten hoch zur Mühle wert.

PS: Lanzarote und die Kakteen

Kakteen haben auf Lanzarote eine lange Tradition. Im Nordosten der Insel – genauer gesagt zwischen Guatiza und Mala – erstrecken sich über viele Kilometer hinweg Opuntien-Farmen. Opuntien sind Kakteengewäche, die seit Jahrtausenden für die Zucht von Cochenille-Läusen eingesetzt werden: aus ihnen gewinnt man nämlich den Farbstoff Karminrot, der in Lippenstiften, Campari oder zum Färben von Gewändern eingesetzt wird.

Zum Glück gibt es heutzutage andere natürliche Farbstoffe, so dass diese doch etwas zweifelhafte Art der Farbgewinnung hoffentlich irgendwann aussterben wird.

Fakt ist: auf Lanzarote wachsen Kakteen, Sukkulenten, Flechten und Wolfsmilchgewächse, wohin wir auch blicken. Der Kaktusgarten präsentiert sie uns in einem kompakten und äußerst sehenswerten Rahmen. Definitiv eines meiner Top-Highlights auf Lanzarote!