La Palma. So heißt sie, die kanarische Insel, die mitten im Atlantik liegt, etwa 400 Kilometer vor der Küste Nordafrikas. „Isla Bonita“ nennen die Spanier sie, also „schöne Insel“. Mit nur gut 700 Quadratkilometern ist sie gerade mal so groß, wie beispielsweise Singapur ‒ unter anderem ihre kompakte Größe macht La Palma zu einem so attraktiven Reiseziel.
In diesem Artikel:
Ein Ort der Abwechslung und Ruhe
Abwechslungsreich ist die Isla Bonita allenfalls: Auf kleinstem Raum reizt La Palma mit zerklüfteten Vulkanlandschaften und hohen Vulkanbergen. Hier schlagen die Wellen des Atlantiks gleichermaßen an schwarze Sandstrände und hohe Steilküsten; zudem füllen sie beeindruckende, natürliche Meeresschwimmbecken. Drachenbäume und Lorbeerurwälder treffen auf tiefe Schluchten und alpine Gipfel bieten einmalige Ausblicke. Dazu kommen gefühlte 1.001 Bananenplantagen, süße Städtchen sowie herzhaftes, bodenständiges und frisches Essen. (Und um mein persönliches Glück perfekt zu machen, gibt es sogar eine Tanzschule. Hach.)
Auch Ruhe findet man auf La Palma gut. Die Insel ist so bodenständig, so natürlich. Das Leben nimmt hier einen gemäßigten Lauf. La Palma erdet. Mit ihrer natürlichen Schönheit, der ehrlichen Küche, dem Meer, dem Wind, den Sonnenstrahlen, Siesta und ein wenig spanischer mañana-Mentalität. Das krasse Gegenteil also zum täglichen Rennrenn-Alltag in einer deutschen Mittelgroßstadt.
Tazacorte ‒ Heimat auf Zeit
Mein temporärer Heimatort Tazacorte liegt im sogenannten Sonnendreieck La Palmas. Dank ihrer Lage im Westen der Insel ist diese Ecke nicht nur die wärmste und trockenste von La Palma. Sondern sogar einer der sonnigsten Orte Europas mit über 3.500 Sonnenstunden. (Zum Vergleich: Ein Kalenderjahr hat 8.760 Sonnenstunden. Die maltesische Stadt Valletta kommt gerade mal auf 2.957 Sonnenstunden – und ist damit trotzdem noch die sonnigste Hauptstadt Europas.) Ein wichtiger Grund, warum ich mir ausgerechnet in Tazacorte eine Ferienwohnung über Airbnb gemietet habe.

Dort empfängt mich meine Vermieterin Cuchy überschwänglich mit einem interessanten und gleichzeitig unverständlichen Sprachmix aus Spanisch, Französisch, Englisch und einem Wort Deutsch („Apotheke“). Bis sie feststellt, dass ich Spanisch verstehe, auch wenn ich es aktuell nur leidlich spreche.
Damit bin ich offiziell adoptiert: „Ich bin Deine Mama auf La Palma und egal ob Tag oder Nacht, melde Dich einfach bei mir.“ Sowas von putzig! Und so stehe ich nach 45 Minuten informativem Wortschwall auf meiner kleinen Terrasse. Und lasse meine Augen genießerisch schweifen. Denn wir sind uns einig, vermute ich: Dieser Ausblick macht Lust auf mehr.

Dazu kommt, dass etwas unterhalb in Puerto de Tazacorte der einzige Strand der Insel liegt, der geschützt genug ist, um dort ganzjährig zu baden. Ohne die teilweise sehr starken und tückischen Strömungen des Atlantiks zu fürchten.

Zumindest theoretisch. Als ich ankomme, herrscht nämlich Calima. Dieser heiße Wind aus der Sahara sorgt dafür, dass die Luft diesig ist und der Atlantik mich ungewöhnlich beschwingt begrüßt:
Grund Nummer drei, der für meine neue Heimat spricht: Die Tanzschule in Los Llanos de Aridane ist keine 10 Fahrminuten entfernt – welch ein Glück!
La Palma, Las Palmas, Palma – und die große Namensverwirrung
In den letzten Wochen, wann immer das Gespräch auf diese Reise fiel, kam es zu sichtbaren, geografischen Verwirrungen. Daher nochmal kurz an dieser Stelle: La Palma ist eine spanische Insel und Teil der Kanaren. Ihre Hauptstadt heißt übrigens Santa Cruz de La Palma. La Palma ist nicht zu verwechseln mit Las Palmas de Gran Canaria (Hauptstadt der Nachbarinsel Gran Canaria), Palma de Mallorca (Hauptstadt der gleichnamigen Mittelmeerinsel) oder sonstigen Städten/Inseln weltweit, die irgendeine spanische Palme im Namen tragen.
Die spanischen Kolonialisten waren nämlich manchmal eher wenig kreativ in der Namensgebung. Deswegen heißen enorm viele Orte weltweit entweder nach den Dingen, die man dort findet: nämlich Palmen (La Palma), Wellen (Las Olas), Vulkane (Volcán) etc. Oder aber sie haben einen religiösen Bezug: Hl. Kreuz (Santa Cruz) sowie diverse Heilige (Santo Domingo, San Andrés, Santa Lucía).
Übrigens: Die Einwohner von La Palma nennen sich Palmeros. Und ja, hier stehen tatsächlich einige Palmen herum.
Und was macht sie jetzt auf La Palma, die Monika?
Naja, sagen wir so: Ich umgehe das heimische Novembergrau und verlege mein Büro in wärmere Gefilde. Denn sein wir mal ganz ehrlich: Wo genau meine Texte entstehen, interessiert niemanden. (Außer mich vielleicht.) Wichtig ist, dass sie ordentlich geschrieben sind, rechtzeitig fertig und mir die Inspiration nicht ausgeht.
Mein Büro passt inzwischen in einen einzigen Rucksack – und dieser Rucksack ist mein Handgepäck (fast ganz legal, nur etwas zu schwer). Das fasziniert mich auch nach 3 Monaten Vollzeit-Selbständigkeit noch immer. Im Fachjargon nennt man diese Art von Reise übrigens „Worcation“. Klingt attraktiver als Arbeitsurlaub, was meinst Du?

Und was Dir (und auch mir) vielleicht noch wichtiger ist: Wo anders finde ich wieder Schreibfutter für Neues von wo anders. So kannst auch Du – zumindest im Kopf – ein paar sonnige Momente hier auf La Palma verbringen. Ich jedenfalls freue mich, dass Du Teil meines kleinen Abenteuers bist!
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