Der Sommer ist in der Hansestadt angekommen. Wir nähern uns der 35-Grad-Grenze und ab dem frühen Nachmittag wird die Verlockung zunehmend größer, 2raumwohnungs „36 Grad” zu summen. In Dauerschleife. Da bleibt nur eines: rauf aufs SUP im Hamburger Stadtteil Eppendorf.

Stand-up-Paddeln im SUPper-Club

Morgens noch Yoga auf dem Balkon, konzentriert arbeiten bis 11:30 ‒ und ab da werden die Gedankengänge zunehmend zäher, bis ich gegen 15 Uhr kapituliere. Mein Körper sagt: ab ins Wasser. Mein Hirn sagt: blubb. Und da sind sie sich ja auch schon einig. Ans, ins, zum Wasser. Und es gibt dazu in Hamburg ja auch nur so drölfzig Möglichkeiten…

Eine Option, um bei der Hitzewelle einen entspannten Abend auf und im Wasser zu verbringen: Stehpaddeln im SUPper-Club in Hamburg-Eppendorf.

Zugang zum SUPPER CLUB in Hamburg-Eppendorf

Einmal in die U1 gehüpft und schon bin ich da. Marschiere über die Terrasse am Wasser. Und melde mich für ein SUP-Board an. Dann werde ich auf eine Warteliste geschrieben ‒ und trinke erst einmal etwas Kühles, um die Wartezeit zu überbrücken.

Bis ganz plötzlich ‒ wie aus dem Nichts ‒ lautstark mein Name ertönt. Die Schrecksekunde überwunden zahle ich kurzum mein Getränk. Und schwuppdiwupp heißt es: Das da ist dein Board. Hier ist dein Paddel. Ab mit dir. 

Solide gestanden ist schon halb geSUPt.

Ähm okay. Schluck. Kann ja nicht so schwierig sein. Andere Menschen machen das ja auch. Noch eben schnell die Klamöttchen auf dem Trockenen verstecken – man weiß ja nie – und dann geht es ab aufs Board.

Ganz vorsichtig erstmal den rechten Fuß mittig platzieren. Balancieren. Das Stechpaddel schnappen. Und langsam den zweiten Fuß drauf. Ich stehe erstaunlich solide auf meinem SUP-Board. Paddel links rein, Paddel rechts rein. Läuft. Zumindest geradeaus. Das mit dem wendigen Manövrieren üben wir nochmal…

Abenteuerchen auf der Alster und ihren Kanälen

Eigentlich dachte ich ja, dass Stand-up Paddling so ein Fitness-Poser-Hipster-Angeber-Phänomen ist. Und es dabei hauptsächlich darum geht, es zu tun, nur um dann Fotos davon auf Instagram posten zu können. Und gegebenenfalls noch den eigenen Astralkörper auf dem Wasser vor aller Augen zu promenieren. Joa, an all die SUPper da draußen: Sorry, Vorurteil größtenteils abgebaut!

Es ist so ruhig auf dem Wasser. Ein leichtes Plätschern hier und da. Der Lärm der Stadt rückt völlig in den Hintergrund. Fast meditativ gleite ich beim Stehpaddeln über die Wasser von Leinpfadkanal und Alster. (Fast, weil mein Board und ich einen Rechtsdrall haben. Das Leben ist halt kein Seepferdchenhof…) Was für wunderschöne Anwesen ich da sehe. Menschen, die dort bei einem Gläschen am Wasser sitzen und die leichte Abkühlung des frühen Abends genießen.

Nach der Hitze des Tages tut es gut, einige Momente auf dem Wasser innezuhalten.

Als das Drachenboot auf der Alster an mir vorbeirast, warte ich darauf, dass der Steuermann zusätzlich zu seinem Ruder auch noch die Peitsche auspackt. Und demnächst anfängt, mit Paukenschlägen 1:1 eine römische Galeere nachzuahmen.

Spätestens da merke ich: auf dem Wasser eröffnet sich eine neue Welt. Mit eigenen Regeln. Frenetisch rudernden Menschen. (Habe ich schon die Hitzewelle erwähnt?!) Und lerne, dass “Warschau” auf dem Wasser “Achtung” bedeutet. Ich weiche aus und frage mich kurz, ob die korrekte Antwort “Danke” oder “Moskau” lautet.

Als SUPper steht man in dieser urbanen Wasserwelt ganz unten am Ende der Nahrungskette. Standardmäßig sind daher alle anderen Wasserverkehrsteilnehmer von einem genervt. Gut, dass ich inzwischen minimal besser manövrieren kann. Ich suche mir diese Woche anscheinend nur Underdog-Fortbewegungsarten heraus…

Ein Tag ohne Trüffel ist ein verlorener Tag

Nach über einer Stunde komme ich mit leichter Verspätung
wieder am Anleger an. Mein Entdeckergeist hatte die Strecke etwas unterschätzt. Meine
Arme fanden das uncool. Zum Glück wartet nach mir keiner mehr darauf, sich ein Stand-Up-Paddle-Board auszuleihen. Meines wird herausgefischt, im Bootshaus verstaut und macht gemeinsam mit mir Feierabend.

Und ich habe Huuuuuuuunger! Ist ja generell ein Dauerzustand bei mir. Aber nach soooo viel Action ist das ja auch tooooootal gerechtfertigt. Motto dieser Hamburgreise scheint sowieso zu sein: Ein Tag ohne Trüffel ist ein verlorener Tag. Und wer will es sich schon mit dem offiziellen Motto verscherzen. 😉

Es trüffelt schon wieder…

Inzwischen versinkt die Sonne langsam im Kanal. Es wird romantisch. Das findet auch mein Magen, als ich ihm die Special Fries vorsetze: knusprige Kartoffelscheiben mit frischen Sommertrüffeln, Trüffelöl, Parmesan und – Trommelwirbel – Trüffelmayonaise. Und sagen wir es so: Die können was, diese Fritten. Aber so richtig.

Zusammenfassend gesagt: Alles beide jederzeit wieder. Was ein SUPer Abend in Hamburg. ;P