In Arco de Calheta an der Südküste von Madeira liegt die Paragliding-Schule von Hartmut Peters. Dort wage ich es heute, natürlich im Tandem: mein erstes Mal Gleitschirmfliegen. Madeira, ich komme! Kommst Du mit?

 

Paragliding bei Hartmut auf Madeira ‒ Wo Deutsche fliegen gehen

Gleitschirmfliegen wollte ich schon immer machen. Heute ist es endlich so weit. Vormittags um 11 Uhr rufe ich bei Hartmut Peters an. Seine Gleitschirmschule liegt in Arco de Calheta nur 15 Fahrtminuten von meiner Unterkunft in Prazeres entfernt. Er versichert mir: heute sind die Bedingungen zum Paragliden perfekt. Der Preis fürs Gleitschirmfliegen? 75,00€ cash kosten die 15-20 Minuten.

Ich soll doch gleich rüberkommen, der Pilot wartet auf mich. Gesagt, getan. Gut, dass wir beide so spontan sind, oder?

(Neu hier? Wir, fragst Du Dich? Ja, ich hab da so eine Angewohnheit: Ich beziehe Dich als meinen Leser gerne mit in meine Abenteuer ein. Dir ist das zu direkt? Na, dann lerne mich doch erstmal kennen – und entscheide später, ob Du wirklich mit mir auf Madeira zum Gleitschirmfliegen gehen möchtest. Für alle anderen: Wir steigen jetzt erstmal ins Miet-Moppelchen und starten los.)

Seit 2000 ist Hartmut auf Madeira. Seine Paragliding-Schule ist (nicht nur) bei Deutschen sehr beliebt und so ist heute einiges los. Doch wir haben Glück und bekommen einen der Parkplätze direkt vor der Türe.

Schon vom Parkplatz aus sehe ich den Piloten unten auf dem Startplatz winken. Nach zahlreichen Treppen, Windungen, Wandgemälden und anderen Kunstwerken habe ich Hartmuts alternatives Hippie-Paradies durchquert und werde herzlich vom Fluglehrer begrüßt: „Du Deutsch? Willkommen!“ Ein guter erster Eindruck für meine allererste Paragliding-Erfahrung.

Vor dem Gleitschirmfliegen

Danach habe ich kaum Zeit, um mich mit der Umgebung vertraut zu machen. Denn es herrscht bestes Flugwetter auf Madeira. Und die Gleitschirmschule verdient logischerweise erst dann Geld, wenn sie Menschen im Tandem in die Luft bringen.

Hopplahopp wird mir ein Helm auf den Kopf gesetzt – passt. Mein Handy wird in einen Beutel gesteckt und um meinen Hals gehängt. Dann werde ich auch schon eingeschnallt und es wird ernst mit meinem Gleitschirmflug auf Madeira.

Es folgt eine kurze Einweisung von Hércules, einem von Hartmuts drei Gleitschirm-Piloten:

  1. Arme nach vorne ausstrecken (wie ein Zombie)
  2. beim Anlaufen kräftig ziehen und immer weiterlaufen, bis über die Kante hinaus
  3. dann auf Kommando hinsetzen

… und schwuppdiwupp geht’s in die Lüfte.

Mein Jungfern-Gleitschirmflug ‒ mit wenig eleganter Landung

Der erste Eindruck: die Ausblicke sind wirklich fantastisch! Tief unter uns liegen Madalena do Mar und Calheta Beach. Gleißend strahlt die Sonne über dem Atlantik und blendet fast, während wir uns mit der Thermik in engen Kurven immer höher schrauben.

Bald befinden wir uns auf Höhe von Paul da Serra, der Hochebene von Madeira. Beim Gleitschirmfliegen bin ich die ersten Minuten mit Gucken und Fotografieren und Filmen völlig beschäftigt.

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Mein zweiter Eindruck: kennst Du das Gefühl, wenn Du im Auto über eine Bodenwelle fährst? Dieses Huch-Gefühl, bei dem es Dir kurz und lustig den Magen hebt? Genau das habe ich auch beim Gleitschirmfliegen hoch über Madeira.

Ich verrate Dir noch was: nach 10 Minuten Dauer-Huch-Gefühl hat der Spaß ein Loch. Das findet zumindest mein Magen. Während meine Augen auf Genussmodus geschaltet sind, wird er von Minuten zu Minute unbegeisterter von unserem Paragliding-Abenteuer.

Flau ist das einzig treffende Wort das ich dafür habe (bis ich einige Minuten später, wieder mit festem Boden unter den Füßen, von einem freundlichen Berliner den Begriff „kotterig“ lerne. Jupp. Passt besser.) Trotzdem fotografiere ich, filme, atme tief durch ‒ und gebe irgendwann auf. Bevor mein Magen endgültig den Geist aufgibt, bitte ich Hércules, beim nächsten Überfliegen des Startplatzes doch wieder zu landen.

Zunächst war ich skeptisch, was meine lädierten Knie wohl von der Landung halten würden. (Nicht, dass mich solche Überlegungen jemals von einem Abenteuer abgehalten hätten.) Doch ‒ die Beine schnurstracks in die Luft gereckt ‒ lande ich gleichermaßen sanft und unelegant auf meinem Hinterteil. Dem dicken Polster, weichen Rasen und Hércules sei Dank!

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Zurück auf madeirischem Boden

Mit erstaunlich stabilen Knien stehe ich nach der Landung wieder auf. Hércules fragt mich leicht besorgt, ob denn alles mit mir in Ordnung sei, während er mich gleichzeitig aus 1001 Gurten entfesselt. Ich sage ja, mein Magen ist anderer Meinung.

Mit bleichem Gesicht steuere ich zu Dir auf die Bank oberhalb des Paragliding-Startplatzes. Setze mich und atme tief ein und aus, während ich darauf warte, dass mein Körper sich wieder wohl(er) fühlt. Und ich endlich in der Lage bin, meinen Geldbeutel zu zücken und für den Gleitschirmflug zu bezahlen.

Besagter Ruheständler aus Berlin sitzt auch auf unserer Bank und hat netterweise das Video von meiner Landung gemacht. Wir unterhalten uns alle noch eine Weile über dies und das, Thermik und „Kotterigkeit“ beim Gleitschirmfliegen (nicht nur) auf Madeira. Zumindest so lange, bis ich wieder transportfähig bin. Gute Neuigkeiten: ich bin nicht die Einzige, der es so geht!

Wir beide fahren nach diesem Abenteuer jetzt erstmal runter nach Calheta ans Meer, oder? Schwimmfest bin ich nämlich. Versprochen!

Mein Fazit zum Gleitschirmfliegen auf Madeira

  • Fürs Gleitschirmfliegen auf Madeira sollte Mensch weder Höhenangst noch Seekrankheit haben – und zwar nicht einmal ein kleines Bisschen.
  • Leerer Magen = gute Idee. Auch ein kleines Müsli kann schon zu viel sein. Vielleicht war das ja der Übeltäter.
  • Möglicherweise versuche ich das mit dem Paragliding irgendwann nochmal, sage ich. Nur nicht so bald, sagt mein Magen.