Berühmt ist Hoi An vor allem als Schneiderei-Hochburg. Doch das ist nicht alles: Die vietnamesische Kleinstadt ist ein Sammelbecken für Kunsthandwerk aller Art. Ob Lederarbeiten, Schmuckherstellung, Holzkunstwerk oder Weberei: Kreative Herzen schlagen höher bei dem riesigen Angebot an Workshops und Aktivitäten, die in Hoi An angeboten werden. In sechs Wochen vor Ort habe ich einiges davon ausprobiert – und dabei traumhafte, mittelmäßige und auch wirklich schlechte Erfahrungen gemacht. Meine vier liebsten Kreativ-Aktivitäten, die Du bei Deiner Hoi An-Reise testen solltest, teile ich in diesem Blogpost mit Dir. Kommst Du mit?
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In diesem Artikel:
Meine Erfahrungswerte vorab
Bitte sprich vor jedem Workshop und jeder Aktivität in Hoi An den genauen Leistungsumfang ab: Startzeitpunkt, Dauer, Material (inbegriffen oder extra), Gesamtkosten in Dong – und lass es Dir schriftlich geben. Immer. Das mag etwas nervig klingen. Doch nur so beugst Du bösen Überraschungen vor. (Es reicht, wenn ich diese Erfahrung machen durfte.)
(Neu hier? Ich habe da so eine Angewohnheit: Als Leser:in beziehe ich Dich gerne in meine Abenteuer mit ein und schreibe oft „wir“. Dir ist das zu direkt? Na, dann lerne mich doch erstmal kennen – und entscheide später, ob Du Dich wirklich mit mir das Kunsthandwerk von Hoi An in Vietnam erkunden möchtest.)
1. Kreativ-Aktivität: Fahrradtour in Hoi An zu den Kunsthandwerkern mit Thai
| Anfahrt | Standort auf Google Maps |
| Dauer | 5 Stunden |
| Kosten | 29$/Person, kann auch in Kombi mit einem Kochkurs gebucht werden |
| Information & Buchung | vietnam-bicycle.com |
Hast Du Lust, heute mal sportliche Aktivität mit Kunsthandwerk zu verbinden? Und damit gleichzeitig die Infrastruktur auf einer ländlichen Insel im Thu Bon-Flussdelta in der Nähe von Hoi An zu stärken? Ich finde das Konzept der Hoi An Afternoon Countryside Cycling Tour von Heaven and Earth Cycling Tours wunderbar!
Zunächst besuchen wir das Zuhause der Familie der Gründerung von Heaven and Earth Cycling Tours. Im traditionellen Haus mit den drei Eingängen begrüßt uns unsere Führerin Thai und zeigt uns, wie einfach die Menschen bis heute im Thu Bon-Delta leben: spärlich möbliert, schlafen mehrere Kinder ein einem Bett. Die Omi findet ihre Nachtruhe auf einer Schilfmatte im Wohnzimmer, gleich unter dem Ahnen-Altar.
Dann schwingen wir uns auf unsere Räder – mit Gangschaltung (!) und funktionierenden Bremsen, die sogar kaum quietschen. Für vietnamesische Verhältnisse ist das absoluter Luxus.
Stopp #1: Schilfgras-Matten weben
Im ersten Haus dürfen wir dabei zusehen, wie Matten aus gefärbtem Schilfgras gewebt werden, auf denen Vietnamesen traditionell schlafen. Zwei erfahrene Weber – bzw. ein Weber und eine Designerin – brauchen ca. vier Stunden, um eine einzige Schlafmatte herzustellen, die sie dann für umgerechnet 4 € an einen Großhändler verkaufen. Etwa 10-14 Stunden pro Tag arbeiten sie, bei kargem Lohn – weswegen kaum mehr junge Menschen diese Kunst ausüben. Die fertige Matte hält etwa fünf Jahre lang und ist sogar handwaschbar.
Beim Weben wird ein gefärbtes Schilfgras um die Spitze einer dünnen Stange gewickelt und durch den Webstuhl geschoben. Beim Zurückziehen löst sich das Schilf. Nun zieht der Weber es mit seinem Kamm kräftig an – und das nächste Gras schießt durch den Webstock. In einem irren Tempo!
Zum Abschluss dürfen wir auch selbst weben und bekommen sogar ein geflochtenes Armband geschenkt. So lieb!
Stopp #2: Die Sache mit den Kokosbooten
Beim nächsten Stop erklärt Thai uns, wie die traditionellen Kokosnuss-Boote hergestellt werden. Anschließend zeigt uns eine lustige ältere Dame, wie man mit diesen kreisrunden Kokosnussbooten fährt – gar nicht so einfach, wie es aussieht. (Es gibt sogar ein Zertifikat für alle Mutigen!)
Stopp #3: Räucherstäbchen in allen Farben
Danach geht es weiter zu einem Dorf, in der bis heute von Hand Räucherstäbchen hergestellt werden. Und zwar in allen Farben und Duft-Richtungen. In dekorativen Bündeln säumen sie die Straße, während sie trocknen.
Stopp #4: Perlmutt-Einlegearbeiten
Bei unserem letzten Stop, im Kim Bong Carpentry Village, dürfen wir den letzten Meister seiner Zunft beim Arbeiten bewundern: aus Muschel-Perlmut sägt er mit einer feinen Säge klitzekleine Formen, die er dann in Holz einsetzt. Daraus entstehen Kistchen, Tabletts, Möbel über die Drachen oder Wolken aus Perlmut schweben.
Falls Du Dich berufen fühlst: Er sucht dringend eine:n Nachfolger:in.










Meine liebsten Hotels in Hoi An, Vietnam
Hier sind drei Hotels in Hoi An, die ich jederzeit wieder buchen würde.
€Hoi An Legend Charm Boutique Hoi An Hotel
Gepflegte, saubere Zimmer mit spektakulärem Blick auf den Thu-Bồn-Fluss
€€Sunkised Paddy Hoi An Villa
Ruhig gelegen zwischen Altstadt und Strand mit besten Betten und feinem Frühstück.
€€€The Signature Hoi An
Luxuriöses 5*-Hotel mitten in der historischen UNESCO-Altstadt von Hoi An
Übrigens: Dieser Artikel enthält Empfehlungslinks, die Dich nichts kosten und mir eine kleine Provision bringen können. Erfahre dazu mehr in meiner Datenschutzerklärung.
2. Kreativ-Aktivität: Leder-Workshop in Hoi An mit Hu
| Anfahrt | Google Maps |
| Dauer | kommt auf Dein Werkstück an |
| Kosten | 15-65$ (kommt auf Dein Werkstück an) |
| Information & Buchung | https://www.facebook.com/SaTehandmade/ |
Erstmal radeln wir direkt vorbei: kein Ladenschild, kein großes Fenster voller Lederwaren verrät den Kursort für unseren Leder-Workshop in Hoi An. Erst ein Blick auf die Hausnummer 229 verrät uns, dass wir SaTế Leather Workshop gefunden haben. Wohoo!
Durch einen halbleeren, dunklen Verkaufsraum betreten wir die kleine, helle Werkstatt von Hu. Drei junge Frauen aus Israel sind bereits eifrig dabei, Geldbeutel in verschiedenen Stadien zusammenzunähen, zu kleben, zu bearbeiten.
Vorab hatten wir bei Hu per Whatsapp angefragt, welche Lederfarben er da hat. Nachdem pink nicht dabei war (upsi!), habe ich in einem der vielen Ledergeschäfte in Hoi An ein Stückchen pinkes Leder für umgerechnet 3 € gekauft. Daraus möchte ich mir heute ein Halsband machen. Ein einfaches Anfängerprojekt – so dachte ich zumindest.
Zu Beginn spricht Hu unsere Wünsche mit uns durch und berät uns ehrlich, was umsetzbar ist. Dann schneidet er das Leder schnell und präzise für uns zu.
Endlich geht’s los!
An unserem Arbeitsplatz zeigt uns der 34-jährige Lederspezialist, wie wir den Kleber dünn mit einem Spatel auf der Leder-Rückseite auftragen. Dann klebt er die beiden Hälften für uns präzise zusammen.
Jetzt ist es unsere Aufgabe, entlang des Rands Löcher mit einem Rechen und Gummihammer zu stechen. Anschließend klemmen wir das Halsband in einen hölzernen Schraubstock, damit wir die beiden Hälften vernähen können – mit zwei Fäden. Etwas knifflig, doch es macht Spaß – zumindest die ersten 1,5 Stunden. Danach fängt mein Rücken an zu muckeln. Trotzdem ziehen wir es natürlich durch.
3 Stunden später ist uns klar, wie aufwändig handgenähte Lederprodukte wirklich sind. Hu meint, er braucht vier Tage für eine Handtasche. Vier! Tage!
Die erste Schicht Lederversiegler tragen wir noch auf die Seitennähte auf, dann vertagen wir den Rest auf einen anderen Tag – denn mit weiteren 4×15 Minuten pro Seite hatten wir heute nach bereits 4 Stunden Workshop nicht mehr gerechnet …
Auf in die 2. Runde …
Am darauffolgenden Samstag kommen wir zurück und tragen die restlichen Schichten Lackversiegler auf. In den Trockenzeiten stricke ich und wir ratschen mit Hu über das Leben – vom vietnamesischen Schulsystem über die beste Arbeitshaltung beim Ledermachen bis hin zu den verrücktesten Lederarten, die seine Kunden ihm angeschleppt haben (Ich sag nur: Stachelrochen!). Hu ist ein sehr interessanter Gesprächspartner und die insgesamt 7 Workshop-Stunden vergehen wie im Flug.
Am Schluss „baut“ Hu noch die Schnalle an das Halsband und wir bezahlen ihn – umgerechnet 25€ für den Workshop. Vermutlich kein Hobby, das ich zuhause weiter vertiefen möchte. Trotzdem eine wertvolle Fähigkeit, die uns beide mit einer großen Hochachtung vor diesem Kunsthandwerk zurücklässt.








3. Kreativ-Aktivität: Silberschmiede-Workshop in Hoi An mit Hai
| Anfahrt | Google Maps |
| Dauer | 2-12 Stunden |
| Kosten | kommt auf das Werkstück an, mein Armreif aus 925er-Silber mit Fassung aus 375er-Gold hat 250€ gekostet |
| Information & Buchung | +84 905 414 539 (WhatsApp) |
Überlegungen vorab
Im Hoi An werden mehrere Schmuck-Workshops angeboten. Nachdem ich seit einiger Zeit hobbymäßig Gold schmiede, habe ich lange recherchiert, um den richtigen zu finden. Vier Werkstätten habe ich in der Recherche für diesen Artikel angesehen und mich mit einigen Reisenden unterhalten, die Goldschmiede-Workshops in Hoi An gemacht haben. Leider waren die meisten dieser Kurse entweder super kurz (1-2h), nur mit Silber, nur mit wenigen vorgegebenen Standard-Designs oder qualitativ nicht schön ausgearbeitet. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie im Workshop kaum etwas selber machen durften oder es Massenabfertigung unter Zeitdruck war.
Nach langer Recherche haben wir uns für Jewelry Vinh Thảo in der Altstadt von Hoi An entschieden. Vorab haben wir mit dem Inhaber und Meister den Preis und Umfang des Workshops verhandelt: Wir werden einen Armreif aus Silber anfertigen mit einem in gold gefassten Rubin.
Vom Hämmern auf Gold und Silber
Dann geht es los: Wir werden in die fähigen Hände von Goldschmiede-Geselle Hai übergeben. Zusammen mit einem Stück Silber und einem deutlich kleineren Stück Gold. (Den Rubin hatte ich vorab bereits anderswo erworben, weil ich ganz spezielle Vorstellungen hatte. Du kannst jedoch auch dort schöne Schmucksteine erwerben.)
Hinten im kleinen Juwelier-Geschäft sind zwei Arbeitsplätze nebeneinander. An einem dürfen wir sitzen, an dem anderen sitzt Hai. Mit rudimentären Englisch, Händen und Füßen und Zeichnungen auf meinem Tablet (das Hai sehr feiert) verständigen wir uns prima.
Vor allem fasziniert uns, mit welch einfachen Mitteln man komplexe Schmuckstücke machen kann: Bunsenbrenner? Ach was, ein mit Benzin aus einer alten Plastikflasche befüllter Benzinbrenner tut es auch. Sägen? Selbstgeschmiedete Metallscheren! Und die Bohraufsätze? Stecken in einer mit Schaumstoff gefüllten aufgeschnittenen Coladose.
Und redlich feilt das Eichhörnchen
Insgesamt 12 Stunden in drei Sitzungen brauchen wir, bis unser Armreif fertig ist. Die meiste Zeit davon verbringen wir mit Zusehen, wobei wir sehr viel lernen. Außerdem ist es entspannend und unterhaltsam, in der Werkstatt zu sitzen, während draußen Regenschauer auf die Altstadt herunterprasseln oder sich Menschenmengen durch die engen Gassen von Hoi An schieben.
Was wir tatsächlich selbst tun dürfen: das Silber für den Armreif in der Walze in die passende Form und Stärke zu walzen, den Hammer zu schwingen, der Muster in den Armreif zu prägt, die Fassung in Form zu biegen, scharfe Kanten zu entgraten und glattzufeilen – und immer wieder meinen Arm zur Anprobe zur Verfügung zu stellen.
Ich glaube, als wir am Ende der dritten Sitzung endlich fertig sind, sind wir alle gleichermaßen froh und traurig. Auch wenn es wirklich laaaaaaaaaaaaaaaaang gedauert hat, war es ein super interessanter Schmuck-Workshop.









4. Kreativ-Aktivität: Schneiderei-Führung in Hoi An mit Huyen
| Anfahrt | Google Maps |
| Dauer | ca. 1 Stunde |
| Kosten | 29$/Person |
| Information & Buchung | littledaisyhoian.com |
Hoi An ist die Schneider-Hauptstadt von Südostasien. Klar, dass es sich anbietet, hier von den Meister:innen ihres Fachs zu lernen. Also haben wir eine Führung gebucht. Natürlich nicht irgendeine. Uns interessiert die Industrie, die sich hinter den Massklamotten verbirgt. Daher haben wir eine Tailoring-Tour gebucht, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Vom Stoff-Großhandel …
Um 14:15 treffen wir uns mit Huyen vor dem Stoff-Großhandel. Es gießt in Strömen, als wir ankommen. Huyen kommt mit Gummistiefeln und Regenumhang mit dem Roller angebraust. Nach einer kurzen Begrüßung betreten wir gemeinsam ein Labyrinth aus Stoffen in allen Farben und Qualitäten, die bis unter die Decke gestapelt sind. Dazu Knöpfe, Reisverschlüsse, Garne soweit das Auge reicht. Hui!
Zum Glück zeigt Huyen uns, wo in etwa welche Stoffqualitäten liegen und berät uns, welche Menge wir für einen Rock, ein Bluse oder ein T-Shirt brauchen würden. Klar, dass wir hier zugreife und uns mit Leinen und wunderschönen Baumwollstoffen eindecken. (Und ich nehme mir auch noch Knöpfe mit für meine nächste Strickjacke.)
…über den Zentralen Markt von Hoi An …
Zurück am Tageslicht steigen wir auf Huyens Roller und wir kurven durch die regennassen Straßen. Zum Glück hat der Regen ein wenig nachgelassen und wir kommen nur leicht feucht an am Zentralen Markt von Hoi An.
Im Erdgeschoss reihen sich Schneiderei an Schneiderei. In den 1. Stock kommen nur Einheimische. Hier sitzen bestimmt 12 oder 15 Schneiderinnen und fertigen Kleidung für den Alltagsgebrauch ﹘ viel günstiger als in den großen Schneidereien. Klar, sie brauchen keine ganze Ladenmiete finanzieren. Englisch spricht hier niemand. Doch mit Google Translate und – meine Empfehlung – einem alten Kleidungsstück als Kopiervorlage oder einer einfachen Änderung sollte die Maßschneiderei auch hier klappen.
Ich nehme mir vor, es beim nächsten Mal Besuch in Hoi An jedenfalls mal mit etwas Einfachem auszuprobieren.
… zur Spezialschneiderei
Unser dritter und letzter Stopp ist eine Spezialschneiderei, in der nur eine Sache gemacht wird: Knopflöcher nähen! Dafür braucht es teure Spezialmaschienen. Und die gibt es nur hier. Also kommen die Schneiderinnen aus ganz Hoi An hierher, um Blusen, Anzüge und Hemden mit Knopflöchern versehen zu lassen. Spannend!
Dann düst Huyen wieder im Regen auf dem Roller nach Hause: Dort wartet ihr kranker Sohn auf sie. Und wir beide setzen uns jetzt erstmal in ein Café und schmieden unsere nächsten Schneider-Pläne in Hoi An.







Deine Geheimtipps für meine nächste Kreativreise nach Hoi An?
Dir hat unsere kreative Auszeit in Hoi An gefallen? Oder Du weißt einen Workshop, den ich bei meiner nächsten Vietnam-Reise unbedingt buchen sollte? Schreib mir gerne einen Kommentar unter diesem Blogbeitrag und teile Deine Tipps mit mir und anderen Reisenden. Ich bin gespannt.
Und jetzt viel Spaß bei Deiner kreativen Auszeit in Hoi An!
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